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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 08:56 
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Man sollte vielleicht mal das Moralin weglassen bei der Diskussion. :twisted:

Darf ich kurz zusammenfassen?

Ein 70-jähriger Italiener liest eine Puffbekanntschaft auf der Strasse auf, der "jungen Frau" (Alter unbekannt???) geht es schlecht.
Er bringt sie ins Krankenhaus, dort lässt man sie in ihrer Scheisse liegen, kümmert sich nicht um sie.
Angeblich weil sie ne ansteckende Krankheit hat, so lese ich das raus.

Verständnisfrage: Wer hat das wann festgestellt? Ich meine AIDS.
Ist das überhaupt so?

Die Frau ist sehr krank, hat kein Geld, aber haufenweise Geschwister. 7 oder 8.
Eine von denen bekommt Geld vom Italiener (???), damit sie sich um die Schwester kümmert, das tut sie aber nur kurze Zeit, schmeisst sie dann raus.

Irgendwann jetzt kommt Tom ins Spiel und der will helfen.
Das ist prima. Wertungsfrei.

Den Rest der Geschichte können wir hier lesen, verkauft als 12 jährige, ich muss da immer an Don Kong und sein eingestelltes Video denken, "verkauft für einen Teller Reis".
Naja, kann man glauben, muss man aber nicht.

Nun kommt die Frau in ein Hospiz zum Sterben, ohne dass sie jemals ein richtiger Arzt mit einem guten Labor untersucht hat.
Ist das so?
Ich bin verwirrt, aber im Eingangspost steht nichts von AIDS, oder irre ich da?
Warum setzt das jeder hier voraus, dass sie AIDS hat?

:?:


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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 09:21 
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Zitat:
Wer AO ("alles ohne") poppt wird wissen auf was er sich einlässt. Und die Frauen auch (und wenn nicht - seis drum, Blödheit schützt vor Strafe nicht).


Aha, Marc. Eine 12 bis 14-jährige, die ans Puff verkauft wird, ist also selber schuld, weil sie nicht intensiv genug über ihre Zukunft, HIV und die Konsequenzen daraus nachgedacht hat. Und dieses Statement von jemandem, der in einem Land groß geworden ist, wo das Jugendamt (oder wer auch immer, keine Ahnung) entscheidet, ob ein 21 Jahre alter Straftäter u.U. nach Jugendstrafrecht verurteilt wird, weil im ja die nptwendige Reife und der Weitblick eines Erwachsenen fehlen könnte.

Zitat:
Aber die Familie geht über alles. Heuchelei. Mir auch schnuppe, ... Wenn ich hier in Europa ins Bordell gehe ists mir auch völlig wurscht was die entsprechende "Dienstleisterin" für private Probleme hat - Warum sollte das anderswo (bspw. in Asien) anders sein? Steht bei mir "Rotes Kreuz" auf der Stirn? Nö, ..


Was hat das alles damit zu tun, wenn man einem sterbenerden Menschen hilft, dass er nicht vor der Klotüre, mit Hühnern herum und neben geparkten Leichen in seiner eigenen Schei**e krepieren muss? Vielleicht frei nach "ein Leben wie ein Stück Schei**e, dann kann sie auch so sterben"???

Sie wurde heute übrigens nicht abgeholt. Es geht leider nicht so schnell, weil der Transport organisiert werden muss. Sie muss noch bis Mittwoch Morgen hier bleiben. Anschliessend wird sie vom Pfarrer der "Christian Church Sihanoukville" mit nach Phnom Penh genommen.

Dort kommt sie dann in eine Mutter Theresa Einrichtung um Phnom Penh. Die Kontaktdaten stell ich in einen gesonderten Thread ein.

Weil sie noch so lange hier bleiben muss, gehen wir jetzt auch bis zur Abholung jeden Tag ein paar Stunden hoch zu ihr. Damit sie möglichst oft jemanden um sich hat, wechseln wir uns dafür ab und jeder immer ein bis zwei Stunden am Tag (insgesamt sind wir zu viert).

Ich habe auch ein paar Bilder, darauf sieht das wesentlich humaner aus, als es tatsächlich ist. Ich hatte auch einen kurzen Clip gemacht, aber leider war die Batterie leer und der Video ist leer. Die Fotos sind so gemacht, dass sie nicht wirklich zu erkennen ist.

Bild

Auf diesem Bild liegt sie hinter mir, links davon sind die Toiletten. Hier auf der Bahre neben ihr, die hier im Bild zu sehen ist, werden Leichen geparkt

Bild

Diese Foto ist genau anders herum, rechts die Toiletten, links ca. 3 Meter bis zur Tür nach draußen (immer offen). Unter dem Bett sind normalerweise Urin und Essensreste, die Hühner wegpicken. Das macht aber der alte Italiener zweimal am Tag sauber.

Bild

Sie liegt auf einem total gammligen Ding mit Holzbrettern, drüber so ne Strohmatte, die Decke hab ich mit gebracht und die gibt sie nicht mehr her, nicht mal wenn man sagt, nur zum Reinigen

Bild

Vorne dran die beiden Toiletten. Es stinkt fürchterlich und ist dreckig und vergammelt (das kommt auf den Bildern gar nicht rüber.

Als sie hörte, dass sie in ein Hospiz kommt, hat sie sich tierisch gefreut. Sie hatte ein bisschen Schmuck, das haben sie alles schon "abgenommen" bis auf einen kleinen Ring. Wir können ihr nicht mal ein kleines Radio da lassen, weil es gleich weg wäre, wenn wir gehen.

Sie ist so extrem wundgelegen (ich wollte das nicht fotografieren, weil heftig), dass am Po bereits ein Knochen rausschaut. Der Italiener versucht sie zu drehen, so gut es geht, aber es nützt alles nichts.

Sie würde gern essen und versucht auch die Medikamente zu nehmen, geht aber nicht, weil der ganze Rachen schwer entzündet ist (dicke rote Pusteln). Die man, weil sie so abgemagert ist, auch schon von außen am Hals hut erkennen kann.

Sie selbst ist sehr fahl und gelb, aber hatte trotzdem ein mühsames Lächeln für uns, während sie vom Italiener immer ein wenig Zuneigung bekam wie ein kleines Kind.

Einerseits hoffe ich, dass sie so lange durchhält, bis sie noch ein paar Tage Fürsorge und Pflege bekommt und sie nicht wie ein Tier hier verrecken muss, andererseits wünsche ich ihr, dass dieses Leiden bald vorüber ist.

Und um das so gut und menschlich wie nur möglich zu gestalten, interessiert mich keine Statements wie hier (selbst schuld usw.). Denn selbst wenn, kann man einem Menschen so viel Würde geben.

Christian:

Die Bluttests wurden längst gemacht, es ist Endstadium



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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 11:54 
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Trotz aller Grenzen die sich eine kleine NGO ausgesetzt sieht habe ich natürlich Respekt davor, wenn sich jemand, so wie @Tom, für seine Mitmenschen einsetzt. Ich habe schließlich selbst genug eigenes Geld in meine Projekte gesteckt. Trotzdem wird es immer nur eine Einzelaktion sein, weniger als ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Es gibt auch in Kambodscha ein flächendeckendes System, was kostenfrei Medikamente abgibt die AIDS/HIV bekämpfen oder zumindest die Folgen lindern sollen. Nur, wie kommt jemand zum Stützpunkt z.B. nach Takeo zur Behandlung, wenn er 50 km oder mehr Fahrstrecke vor sich hat und für die Fahrt schlichtweg kein Geld aufbringen kann. Die Medikamente werden für ihn dadurch unerreichbar.

Ob diese Medikamente dann überhaupt eine Wirkung haben ziehe ich zudem sehr stark in Zweifel.

Menschenwürde. Was ist das? Wenn ich mich so hier im Land umschaue und das mit dem vergleiche was man unter Menschenwürde versteht dreht sich mir der Magen um. Eine Ratte hat manchmal mehr Würde wie einzelne Menschen. Fehlt nur noch jemand der herkommt und mit der Schaufel draufhaut damit noch ein paar mehr (Menschen) verrecken. Aber das ist beileibe kein alleiniges Problem von Kambodscha, das findet man so und schlimmer rund um den Globus.

Oft genug frage ich mich selbst ob das was ich tue überhaupt einen Sinn macht. Denn der eigentliche Schlüssel zur Lösung der Probleme haben die Reichen und Mächtigen in der Hand. Diese könnten - aber sie wollen ganz offensichtlich nicht. Diese Sorte Mensch hat bis heute immer noch nicht begriffen, dass das letze Hemd keine Taschen hat.

So wie ich für @Tom Verständnis habe, so gut kann ich aber auch @Marc nachvollziehen, der aus rationalen Gründen heraus in eine "fast Leiche" kein Geld mehr investieren will. Aber damit reduziert sich alles auf die Frage "Wo fängt Hilfe an und wo hört sie auf". Das ist mir aber zu kurz gefasst, denn Hilfe hat für mich auch etwas damit zutun, wenn ich dafür Sorge tragen kann, das ein Mensch sein letztes bischen Menschenwürde auch im Angesicht des Todes behalten kann.

Ob die Betreffende nun "blöd" war oder nicht hängt letzlich auch etwas damit zusammen, wie hoch ihr Bildungsgrad war. Unter den geschilderten Umständen würde ich sagen das der sehr niedrig war. Auch keine Seltenheit hier. Wenn die Freier Schlange stehen würden hätte selbst wohl ihre "Blödheit" ausgerecht um auf einen Gummi nicht zu verzichten. Da aber auch in Kambodscha die Freier nicht Schlange stehen und da manche der Mädchen in der "Nebensaison" oft tagelang keinen Freier haben, wird lieber auf den Gummi verzichtet (und so wie geschildert auch offen angeboten) nur damit ein potenzieller Freier am Ende nicht auch noch davon läuft. Im Hintergrund gibt es ja auch oft genug noch ein oder zwei kleine Kinder die versorgt werden müssen.

Not erzeugt Hunger. Und ob "blöd" oder nicht, beim Hunger fallen die letzen Hemmungen und die allerletzten Schranken...



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Grüße aus Tani

Wolfgang

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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 12:31 
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Auf miese Art (langsam) verrecken, kann man auch als "Reicher".

Bild

(Alte) Menschen, die selbst den Angehörigen und Pflegern nur noch lästig sind, findet man ohne großen Aufwand auch in D-A-CH in sogenannten (Pflege-) Heimen!
Skandale werden immer wieder aufgedeckt, doch wie man sieht, auch schnell wieder vergessen...dafür zeigt man dann gerne auf die (bösen) anderen Kulturen!



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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 13:16 
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Auch Dank unserer Medizin werden Menschen immer älter ,
aber es sind immer weniger , die in Würde alt werden.
Ich hab schon öfter erlebt , dass sie gar nicht mehr leben wollen.
Irgendwann versagen Nerven und Kräfte.
In der Natur würde man verhungern oder zum Fraß von Raubtieren werden..


Ein Freund (75) berichtete von seinem Vater.
Als der des Lebens überdrüssig war, orderte er eine Große Torte und aß sie auf .
Der Mann litt hochgradig unter Diabetes .
Seine Tabletten hat er rechtzeitig abgesetzt.
Was für ein süßer Tod.

XenoS


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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 13:50 
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christian pnh hat geschrieben:
Man sollte vielleicht mal das Moralin weglassen bei der Diskussion. :twisted:
.....
Ich bin verwirrt, aber im Eingangspost steht nichts von AIDS, oder irre ich da?
Warum setzt das jeder hier voraus, dass sie AIDS hat?
:?:


wer lesen kann ist klar im vorteil! das ausgerechnet du kapazunder da schwierigkeiten hast lässt doch tief blicken.



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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 14:02 
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Marc hat geschrieben:
Hätt' ich ja fast überlesen -

willihope hat geschrieben:
etwas altruismus ist nicht jedem gegeben wie man sieht.


Doch, ist es. Allerdings sehe ich nicht ein in totgeweihte, dahinsiechende Körper zu investieren. Da kann ich mir gleich ne Kippe mit den Scheinen anzünden.

Du würdest Dich wundern wenn Du wüsstest was ich - alleine schon in Kambodscha - für irgendwelche "Hilfsorganisationen" oder auch für "altruistische Unterstützungsarbeit" rausgehauen habe und es auch noch tue. Ist ein größerer 5stelliger Eurobetrag (ohne Komma) ...
....
Also dann, wenn schon diskutieren, dann sachlich - (Pseudo-)Totschlagsargumente sind irgendwie kontraproduktiv, findst' nicht auch? ;)


da würde ich mich tatsächlich wundern denn anhand deiner schreibe scheinst für andere in not nur dumme sprüche über zu haben.

die diskussion führt sowieso zu nix weil das wesentliche wird ja von tom und helfern gemacht! alles geschwafel über schuldfrage bringt ja nix, es wird eben immer menschen geben die helfen und andere denen das scheixxxegal ist.
das sich die die helfen dann anhören bzw. lesen dass sich eine "investition" nicht lohnt ist doch total daneben.
ich helfe wenn ich kann und weil ich kann, mit investition habe ich da nix im sinn.



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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 14:31 
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@marc
scheinbar warst du noch nie in einer situation auf andere menschen angewiesen zu sein.
mangelt es dir an lebenserfahrung ?
ach ja, die gibts ja nicht ohne investition !
sorry :geek:



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Ich habe mich verirrt. Bin weg , um nach mir zu suchen.
Sollte ich zurückkommen bevor ich wieder da bin, sagt mir bitte ich soll hier warten.
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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 15:20 
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@Eric, "Aber das ist beileibe kein alleiniges Problem von Kambodscha, das findet man so und schlimmer rund um den Globus." und das schließt D-A-CH nicht aus.

Menschenwürde ist auch, nicht bis zur letzten Sekunde an Apparate angeschlossen zu sein nur damit irgendwelche dubiosen Kosten produziert werden an denen wiederum andere reich werden. Ich will an keinen Apparat, ich will wenn es soweit ist in Ruhe und Frieden sterben können. Aber dazu braucht man sicherlich einen guten Arzt, der einem im richtigen Augenblick die letzte Spritze setzt...



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 Betreff des Beitrags: Re: Hilfe für sterbende HIV-positive Kambodschanerin?
BeitragVerfasst: Sa 23. Jun 2012, 17:55 
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Wir haben jetzt begonnen, uns abzuwechseln und ein für mich wichtiges Ziel ist erreicht. Vielleicht ist Ziel das falsche Wort. Aber wir bescheren der Frau mittlerweile so viel "Action", mein Kumpel war heute mit dem Italiener mit oben zum Kennenlernen und es hat ein richtig herzhaftes Lächeln gegeben.

@Tani

Klar, es ist weniger als ein Tropfen auf einen heißen Stein. Andererseits, vielleicht finden durch diese Geschichte andere Interesse (oder trauen sich, es kann ja viele Gründe haben, weshalb man wegsieht), in ihrem Umfeld ein kleinwenig Engagement zu zeigen. So wie es schon viele andere machen. Und dann wird ne große Sache daraus, die nicht an Länder oder Kontinente gebunden sein muss.

Mir ist auch klar, was Du mit würdevollem Sterben meinst. Meine Mutter starb mit 49 an Krebs. Zu Hause in meinen Armen. Sie hätte ins Krankenhaus gehen können, wollte aber weder an Schläuchen am Leben erhalten werden noch damit sterben noch wollte sie nicht im Krankenhaus, sondern daheim sterben.

Außerdem war lange vorher mit mir abgeklärt, dass ich eventuelle Stecker ziehen würde. Sterben war nie wirklich ein Tabu-Thema in unserer Familie. In Deutschland hätte ich das auch gemacht. Ich muss auch sagen, als es soweit war, hat sich auch ihr Arzt sehr weit aus dem Fenster gelehnt und es auf seine Art und Weise kürzer gestaltet. Fand ich super.

Nur hier in Kambodscha würde mir das mehr wie nur Ärger bringen. Hier gab´s schon großen Trouble mit meiner thail. Ex, weil wir unseren Hund vorzeitig selbst erlöst hatten, weil sich keiner der Tierärzte wegen buddh. Mist dazu bereit erklärt hat (jedes Lebenwesen muss "eigenständig" sterben).

Was können wir bewegen? Ganz einfach, daneben, dass es nicht ganz so unwürdig wird für die Frau, sehen uns auch andere Kambodschaner, wie wir ganz nirmal und ohne Berührungsängste mit dieser sterbenden Frau umgehen. Und es bleibt nicht unbeobachtet. Diesem kambodsch. Vater heute hat die Krankenhaus-Belegschaft, die sich weigert, in die Nähe der Frau zu kommen, erwähnt. Die haben ihm alle durch die Bank erzählt, wie sehr über die Maßen sich ein Barang kümmert und auch ihre Überraschung darüber zum Ausdruck gebracht. Es bewegt also mehr.

Das war nun nicht mein erstes Mal, dass ich versuche zu helfen. Für mich ist es relativ normal. Mir geht es finanziell gut. Und ich hatte immer Glück in meinem Leben. Warum also nicht von Zeit zu Zeit ein Stück zurückgeben?

Dass hier Mut zu sehr negativen Aussagen gehört, sehe ich nicht so. Ich habe vielmehr die Idee, es ist eine Art verstecken oder Hilflosigkeit.

Was ich nicht verstehe (ohne jemanden explizit hier damit zu meinen, dazu habe ich das in zu vielen Foren und woanders gepostet, wo ich ebenfalls sehr, nennen wir es vorsichtig ruppige Meinungen lesen konnte): in meiner langen Zeit in Foren habe ich kaum einen erlebt, der nicht auf die meisten NGOs geschimpft hätte (einschließlich mir).

Aber eine Sache wie mit dieser Frau bietet mehr, als nur ihr einen würdigeren Tod zu verschaffen. Es ist eine gute Gelegenheit, anzuprangern und zu zeigen, dass es auch anders geht.

Ich weiß nicht, ob ich hier in Kambodscha nochmal in eine Situation kommen werde, helfen zu können. Es war nicht meine erste Story, da ich in Thailand schon einiges gemacht hatte. Angefangen hatte es ursprünglich in Kambodscha.

Es ging darum, dass beispielsweise eine Frau sterben musste, weil 40 oder 50 Dollar für die OP nicht da waren. Ich wollte dann so ne Art Fond einrichten mit 200 Dollar für Notfälle. Die Hälfte von mir und für den Rest wollte ich ein paar Leute gewinnen. Damals wurde mir mehrfach entgegengeschleudert "ah, der nächste, der so Kohle machen will".

Das hat mich irritiert, weil ich gar nicht verstehen konnte, warum mir sowas überhaupt gesagt wurde. Von da ab hab ich alles aus eigener Tasche gemacht. Und mit dem Aufruf jetzt wäre es nur dann soweit gekommen, wenn ich selbst nicht mehr hätte können.

Und ich finde es nach wie vor bewundernswert und ich habe größten Respekt, wenn sich Leute wie Tani Wolfgang zum Teil derber Kritik hier stellen und zeigen, dass es sinnvolle Sachen gibt.



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