Expat in Kambodscha bzw. in Kambodscha leben

Ich denke, die Trends zum Auswandern werden noch weiter ansteigen in Ländern wie Deutschland. Gerade auch aus der Ferne, mit einem etwas neutralerem, also objektiveren Blick auf die Entwicklung dort, lässt sich leicht erkennen, dass es wohl nicht mehr ganz so „gemütlich“ ist in Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Steuern, Steuern, Steuern. Das Geld wird für das Ausland verwendet und die Bürger verstehen es nicht mehr und somit entfernen sich auch Regierungen immer weiter vom Volk. Zumindest für Deutschland ist dieser Trend eindeutig zu erkennen.


Wenn man sich dann tatsächlich einmal entschlossen hat, etwas mehr über das Auswandern nachzudenken, sind es eigentlich 3 Fragen, die jeden Auswanderungswilligen extrem beschäftigen:

1.) Wie sind die Visabedingungen?

2.) Wie lebt es sich in den einzelnen Ländern?

3.) Kann ich dort Geld verdienen oder wie kann ich dort Geld verdienen?

Bei der ersten Frage gibt es gewiss auch 2 unterschiedlich große Gruppen, die diese Frage eher anders formuliert interessiert. Nämlich Rentner und Frührentner: kann ich von meiner Rente dort gut leben und wie sieht die medizinische Versorgung aus?

Alles in allem denke ich, dass dies die Fragen sind, die diejenigen, welche auswandern wollen, am meisten bewegen. Zumindest nach meinen Erfahrungen aus Gesprächen und aus Fragen heraus in unterschiedlichen Foren. Deshalb denke ich mir, sollten wir gerade hier, in einem Kambodscha Blog, auch von Zeit zu Zeit auf diese Fragen eingehen.

Wie sind die Visabedingungen in Kambodscha?

Es gibt eine Formel, nach der man sich richten kann: je weniger entwickelt eine Wirtschaft, desto einfacher das Visa – oder anders herum – je besser eine Wirtschaft, desto schwieriger die Visabedingungen. Beispiele: USA, Kanada, Australien, aber auch Länder der Europäischen Union (für schwierige Visa-Bedingungen natürlich 😀  )

Nun zählt Kambodscha zu den Entwicklungsländern, also ist Kambodscha ein ‚Dritte Welt Land‚. Und nur betrachtet unter den Dritte Welt Ländern sogar noch ein ausgesprochen armes. Auf die Hintergründe möchte ich hier nicht näher eingehen, nur soviel: natürlich hat das mit der Vergangenheit des Landes zu tun.

Die Visabedingungen sind somit sogar ausgesprochen gut. Ab nur 280 US-$ pro Jahr bekommt man schon ein Jahresvisum. Und man muss auch nichts weiter zeigen, wie bspw. in anderen Ländern. In Thailand z.B. bekommt man entsprechende Visa nur, wenn man min. 50 Jahre alt ist oder mit einer/einem Thai verheiratet ist. Außerdem muss man auch noch ganz schön viel Geld zeigen jedes Jahr. Das alles gibt es in Kambodscha nicht. Und das bedeutet, dass die Visa-Voraussetzungen wirklich ausgesprochen gut sind. Man bedenke nur, dass selbst ein Visa für Paraguay (Südamerika) als ausgesprochen einfach gilt, man dort aber min. 10.000 Dollar zeigen muss. Aber man darf auch nicht vergessen, dass diese sehr lockeren Voraussetzungen, ein Visa zu bekommen (im Prinzip gibt es überhaupt keine Bedingungen) auch mit der Wirtschaft des Landes zusammenhängen; eben der eines Entwicklungslandes.

Wenn jemand bspw. Thailand kennt und die dortigen Verhältnisse für unterentwickelt hält (Infrastruktur etc.) – wobei Thailand ja bereits ein Schwellenland ist (also zwischen Industrieland und Dritte Welt Land) – dann sollte man einen ganz großen Bogen um Kambodscha herum machen. Wer hingegen Thailand noch von vor 20-30 Jahren kennt (laut vieler älterer Thailand Besucher, mit denen ich sprechen konnte), und damit zurecht kommt, der kann ruhig einen Blick hierher werfen. Soweit ich aus meiner Erfahrung sagen kann: entweder man liebt dieses Land oder aber man hasst es – Kompromisse scheint es nur wenige zu geben.

2.) Wie lebt es sich in Kambodscha?

Nun, natürlich gilt wie überall „so wie man sich bettet, so liegt man„. Aber im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass westlicher Komfort, wie ihn wohl viele haben wollen, mit immer größeren Schritten Einzug hält. Allerdings, wie nahezu in jedem Land, hat das natürlich seinen Preis und westliche Waren sind sichtlich teurer.

Jedoch ist das Angebot an Wohnungen (Häusern ebenso wie Appartements) mittlerweile auch schon sehr gut. Und auch Internet ist mittlerweile erschwinglich. Nur der Strom ist nach wie vor sehr, sehr teuer. Was auch zu Buche schlagen kann, besonders wenn man nicht auf eine Klimaanlage verzichten möchte, denn die Temperaturen liegen den größten Teil des Jahres  deutlich über 30 Grad Celsius.

Und selbst die Sicherheit wird besser. Noch vor drei Jahren war es nahezu unmöglich, nachts zu reisen. Kein Taxi, kein Bus hatte sich nachts auf die Straßen getraut. Mittlerweile sind regelmäßig Nachtbusse unterwegs. Nur sollte man nicht vergessen – Kambodscha ist wie schon erwähnt ein sehr armes Entwicklungsland. Entsprechend hoch ist somit auch die Armut. Viele Menschen müssen weit unter dem, was wir als Mindesteinkommen sehen würden, leben. Und wenn man dann dauernd „reiche“ Touristen oder Auswanderer um sich hat, ist die Versuchung, irgendwo ein Haus auszurauben oder jemanden zu überfallen, doch recht groß. Ganz besonders, wenn man seine Wertgegenstände immer zeigt. Daher gilt in Ländern wie Kambodscha ganz besonders: immer möglichst „arm“ auftreten (also keine dicken Goldketten oder eine Rolex. Auch beim Auto sollte man eher „tiefstapeln„. Ich persönlich habe bis jetzt 1 1/2 Jahre in Kambodscha und fast 4 1/2 Jahre in Thailand gelebt. Und ich wurde nicht einmal ausgeraubt bisher – toi toi toi 🙂

Und das, obwohl ich auch in Kambodscha schon mal nachts mit ein klein wenig zu viel Alkohol intus unterwegs war und eigentlich weniger auf Sicherheit geachtet hatte. Denn selbst wenn es Einbrüche und Überfalle gibt – im Großen und Ganzen sind die Kambodschaner ein wirklich sehr ehrliches Volk. Nur – wenn man halt die dicke Kamera lässig um die Schulter hängt, dann lädt das halt auch schwarze Schafe ein…

3.) Kann man dort oder wie kann man dort Geld verdienen?

Ich weiß offen gestanden nicht, wieso jedem als erstes immer einfällt, man müsse eine Bar oder ein Restaurant eröffnen. Aber es scheint so, dass das wohl der Klassiker unter den Geschäftseröffnungen ist. Denn das sieht man – oder besser, man schmeckt es! – dann auch schnell, wenn man verschiedene Restaurants probiert und merkt, dass es in den meisten einfach nur abscheulich schmeckt. Denn die meisten interessiert nicht, ob sie kochen können oder nicht – auch wenn sie offensichtlich nicht kochen können, sind viele der Meinung, es müsse ein Restaurant sein. Und wundern sich dann, dass nach 2 Wochen niemand mehr kommt.

Und selbst, wenn man wirklich kochen kann, wird es schwierig. Denn es gibt natürlich eine Vielzahl von Mitbewerbern: zum einen die, die nicht kochen können (und selbst, wenn die Pleite gehen, werden sie immer wieder von anderen Nicht-Köchen ersetzt) und dann gibt es auch noch lokale, also Khmer Restaurants und Bars. Und für die gilt: in einem Land, wo das Durchschnittseinkommen  bei ca. 50 US-$ liegt, ist ein Ertrag am Monatsende von 100 $ enorm viel. Entsprechend bieten die beiden genannten Gruppen ihre Dienstleistungen, also Essen und Trinken, entsprechend günstig an: die einen, weil sie für ihre Verhältnisse trotzdem gut verdienen, die anderen, weil sie sonst gar keine Gäste bekommen würden. Und dann gibt es als Konkurrenz natürlich auch noch diejenigen, die etwas von ihrem Geschäft verstehen.

Jetzt sind aber zusätzlich die Pachten auch sehr hoch. Somit passen die Essenspreise in gewisser Weise nicht mit den Pachtpreisen zusammen. Wer ein Glas Bier für 50 Cent (US!) und eine Meeresfrüchte Grillplatte dazu für drei Dollar anbietet, der kann nicht mehr wirklich viel verdienen. Dann kommt noch erschwerend dazu, dass die ‚Low Season‚, also die Zeit, in der nur sehr wenige bis kaum Touristen im Land sind, durchschnittlich 7-8 Monate im Jahr beträgt. Aber Pachten und Kosten laufen natürlich weiter.

Natürlich kann man durchaus auch gutes Geld verdienen. Aber wie überall gilt: nur die Besten machen das Rennen auf Dauer. Außerdem würde ich mich durchaus auch in anderen Bereichen umsehen. Dazu eine Anmerkung: mit nunmehr ca. 6 Jahren Südostasien Erfahrung hatte ich schon so einige Geschäftsideen, welche sehr guten Profit versprechen. Ich mach sie nur nicht selbst, weil ich ja schon mein Geschäft habe und das auch gut läuft. Und man kann ja bekanntlich nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Deshalb überlege ich derzeit einen Weg, diese Geschäftsideen u.U. anderen zugänglich zu machen. Das aber für die Zukunft oder eben auf sehr konkrete Anfrage.

Rentner mag das nun weniger interessieren, sondern eher, ob sie mit ihrem Geld hier klarkommen und natürlich, wie die medizinische Versorgung ist. Zu letzterem sei gesagt, dass die med. Versorgung außerhalb Phnom Penh, in den anderen Touristen-Zentren erheblich verbessert haben. Es gibt mittlerweile selbst in Sihanoukville mehrere gute Kliniken. Aber man darf auch nicht vergessen, mit deutschem Standard ist das nicht zu vergleichen – und natürlich auch keinesfalls mit thailändischem Standard (welcher ja teilweise auch noch besser ist wie der deutsche).

Und ob ein Rentner mit seinem Geld klarkommt, liegt ganz daran, wie er sein Leben gestalten möchte. Fuer mich bspw. war und ist das Leben in Thailand z.B. erheblich preiswerter, weil Thai Food für mich zu meinen absoluten Favoriten zählt, während ich um Khmer Küche eher einen großen Bogen mache; das aber mehr wegen der mangelnden Hygiene, denn das Essen selbst wäre gar nicht so schlecht. So bleiben aber eben nur die ganzen westlichen Restaurants, und die sind halt nun mal etwas teurer. Es liegt also völlig daran, was man selbst will. Am besten wäre es eigentlich, hier wenigstens ein Jahr nur mal auf Probe zu wohnen.

Ein paar Wochen oder Monate bringen nicht besonders viel, da man nicht wirklich hinter die Kulissen blicken kann. Und jeder versucht, alles nur von seiner schönsten Seite zu beschreiben. Ist man aber etwas länger hier, dann hat man auch einen guten Einblick in das echte Expatleben hier in Kambodscha. Und man kann sich dann eher eine Meinung bilden, ob Kambodscha in Frage kommt oder nicht.

Ich persönlich finde Kambodscha klasse, denn dadurch, dass alles noch in der Entwicklung ist, ist vieles einfacher und man kann sich auch selbst gut einbringen. Aber das, wie gesagt – ist wieder eine ganz persönliche Sache. Und wer noch mehr Fragen dazu hat, kann diese entweder im Kambodscha Forum stellen oder mich auch persönlich fragen. Soweit ich kann, werde ich immer versuchen eine möglichst objektive Antwort zu geben, ohne zuviel von meiner persönlichen Meinung einfließen zu lassen. Und für diejenigen, die sich entscheiden, doch mal hierher nach Kambodscha zu kommen: stellt ruhig Eure Fragen und dann später in Kambodscha selbst wünschen wir Euch natürlich auch viel Spaß 😉

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2 Responses to “Expat in Kambodscha bzw. in Kambodscha leben”
  1. iris sagt:

    Hallo! wollt schon seit dem ich klein bin auswandern! so und bin jetzt am planen und schauen wie das so möglich ist… ich habe gelesen dasst du auch in thailand gelebt hast, da hätt ich mal die frage wie das so in thailand war, kann man dort auch arbeiten ohne selbständig zu sein? ich weiß das in thailand mit der arbitserlaubniss und aufenhalt sehr schwer ist wenn man nicht gerade rentner ist!! kannst du mir sagen wie das mit jobs ist`? is es möglich? Also ich hab friseurin kosmetikerin und masseurin gelernt und zu zeit arbeite ich noch in einen hotel. ich glaub firseurin und kosmetikerin darf man in Thailand sowiso nicht arbeiten… wir ziehen aber auch kambodscha in erwägung… also möcht bitte im allgemeinen infos haben zu arbeit ob jetzt in thailand oder in kambodscha bez ob es möglich ist dort sich ein bescheidenes leben aufzubauen ohne das ich jetzt 10 000 euro auf der seite habe zum auswandern??

    • Tom sagt:

      Hallo, nun, das hier ausführlich zu beantworten, sprengt den Rahmen. Du kannst Deine Frage aber gerne auch im Kambodscha Forum veröffentlichen. Innerhalb kürzester Zeit wirst Du dann viele hilfreiche Antworten bekommen. Soviel aber schon mal vorab: Thailand ist sehr, sehr schwierig, solange Du kein Rentner bist bzw. unter 50 Jahre alt bist.

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